2. Sonntag im Jahreskreis, 17.1.2021 - Predigtgedanken

Bibeltexte des Sonntags:

Lesung: 1 Sam 3,3b-10.19

Evangelium: Joh 1, 35-42

 

Predigt zum Evangelium:

Die Szene hat etwas eigenartiges.

Da geht Jesus am Jordan entlang und merkt offenbar, dass ihm plötzlich zwei Männer folgen.
Er dreht sich um und fragt sie: "Was wollt Ihr?"

Das klingt soweit logisch.

Aber die Antwort der beiden zeigt, dass sie wohl gar nicht so genau wussten, was sie von Jesus wollten,
warum sie ihm nachgelaufen sind,
ausser vielleicht aus Neugier!

Groß überlegt hatten sie jedenfalls nicht.

Und dann dreht der sich plötzlich um und fragt: "Was wollt Ihr?"

Ja, was wollten sie denn?

"Meister, wo wohnst Du?" antworten sie spontan mit einer Gegenfrage.

Nun, in denn Milieustudien der modernen Sozilalwissenschaften wird die Art, wie jemand wohnt häufig benutzt,
um ihn zu beschreiben.

Wie und wo jemand wohnt, wie er oder sie sich einrichtet,
das sagt schon einiges aus über eine Person.

Da geht es natürlich nicht nur um die Adresse,
da steckt viel mehr dahinter.

Aber das ist nicht biblisches Denken.
Und Jesus, der gefragt wird, wo er wohnt,
der hat ja schließlich von sich selbst gesagt,
dass er nicht einmal einen Stein hat, auf den er sein Haupt legen könnte.

Ich glaube eher, dass die überlieferte Frage von Andreas und Simon verlegen war, einfach so daher gesagt.

Es war ihre spontane Antwort auf die Frage:

"Was wollt Ihr?"

Hätten wir heute so spontan eine bessere Antwort?

Stellen Sie sich vor, dass Jesus uns jetzt fragen würde:

„Was wollt ihr?“

Ich bin mir nicht sicher, ob die meisten von uns eine schnelle Antwort geben könnten.

Was will ich eigentlich?
Was erwarte ich von Jesus?
Gesundheit? - Das wäre vielleicht derzeit ein ganz aktueller Wunsch!
Oder: Glück im Leben?
Zufriedenheit? - Ist das schon alles?
Dass er meine Ängste besiegen hilft?
Das Reich Gottes ?- aber was genau ist das bitte?

Ich denke, die meisten von uns hätten Jesus eine ähnlich unbeholfene Antwort geben müssen!

Viel hilfreicher als das Stammeln der beiden Jünger war das,
was sie auf Jesu Einladung hin dann getan haben:

Auf seine Einladung - "Kommt und seht!" - sind sie nämlich einfach mitgegangen.

Und sie sind bei ihm geblieben;
und - wie man aus dem weiteren Verlauf des Evangeliums weiß - nicht nur für diesen einen Tag.

Vielleicht kann man die wirkliche Antwort auf die Frage Jesu:
was willst Du von mir?
auch nur dann finden,
wenn man einfach Jesu Nähe sucht,
wenn man sich mit IHM auf den Weg macht,
sich von ihm begleiten lässt auf dem Weg durchs Leben.

Was wir von Jesus erwarten, wird dann vielleicht jeden Tag anders aussehen.
Es wird vielleicht für jeden Augenblick unseres Lebens eine andere Antwort geben auf die Frage,

"Was will ich eigentlich von Jesus?“

Das heutige Evangelium zeigt uns, dass das so ganz in Ordnung ist.

Es geht nämlich nicht darum, kluge Antworten geben zu können,
nicht einmal darum, die richtigen Fragen zu stellen.

Mit seinem Angebot:
„Kommt und seht“ lädt Jesus die beiden ein, eine Erfahrung zu machen.
Ihn kennen zu lernen.

Sicher werden sie dann schnell merken, dass er im weltlichen Sinn gar keine Wohnung hat.

Sie werden aber auch merken, wo er zu Hause ist,
wo er beheimatet ist:
nämlich bei seinem himmlischen Vater
und bei den Menschen, mit denen er unterwegs ist.

Von Karl Rahner stammt der berühmte Satz, den er in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts sagte:
„Der Christ der Zukunft wird jemand sein, der etwas erfahren hat,
oder er wird überhaupt nicht mehr sein!“

Es geht in erster Linie darum, Jesu Nähe zu suchen,
ihm zu folgen,
ihn zum Weggefährten zu haben.

Ich werde dann vielleicht trotzdem nicht ganz genau beschreiben können,
wer er für mich ist
und was ich mir von ihm wirklich erwarte und erhoffe.

Aber ich werde etwas Wichtiges erfahren:

Ich werde erfahren, wie schön und wie befreiend es ist,
IHN in meiner Nähe zu haben,
seine Begleitung und Gegenwart in allen Höhen und Tiefen meines Lebens zu spüren.
Amen.

10.1.2021 Taufe des Herrn - Predigtgedanken

Gott sieht nicht auf die Person,
so haben wir es eben in der Apostelgeschichte gehört!
- wir aber schon.

Leider auch in der Kirche, auch da gibt es das, was wir „Ansehen der Person“ nennen:
Wenn ein Bischof zu Besuch heute hier wäre, das würde ganz anders behandelt,
als wenn eine Familie xy, die niemand kennt,
sich zu unserem Sonntagsgottesdienst dazugesellt hätte.

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Predigtgedanken zu Neujahr 2021

Liebe Schwestern und Brüder,

im vergangenen Jahr war alles anders als gewohnt.

Das ist inzwischen so eine Binsenwahrheit,
ich traue mich kaum, es schon wieder zu sagen.

Und ich muss es auch nicht erklären, weil jeder von uns genau weiß, wie Corona unseren Alltag durcheinandergewirbelt hat.

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Predigtgedanken zum Fest der hl. Familie, 26.12.2020

„Ihr Frauen ordnet Euch Euren Männern unter, wie es sich im Herrn geziemt!“ Steht – wie wir gehört haben – tatsächlich in der Bibel. (nicht die einzige Stelle!)

Wir können kaum übersehen, dass auch unsere Tradition ziemlich patriarchalisch geprägt ist!
So eine Forderung können wir heute nicht mehr ernsthaft erheben.

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