Predigtgedanken zum Dreifaltigkeitssonntag

7.6.2020 - Dreifaltigkeitssonntag

Liebe Schwestern und Brüder,

ich hoffe, dass alle jetzt gut zugehört haben:
Im Evangelium räumt Jesus selbst auf mit dem uralten Bild vom strengen Richter aller Sünden, von dem noch vor wenigen Jahrzehnten immer wieder die Rede war.

Gott sieht alles - wurde so zu etwas das nicht tröstet, es war mehr eine dezente Drohung.

Wie sagt Jesus: Er ist nicht in die Welt gesandt, um die Welt zu richten.
Er ist nicht gesandt um abzuurteilen.
Er will retten - nicht vernichten.
Er will das Leben - nicht den Tod.
Und er will deshalb auch den Himmel - und nicht die Hölle.

Das ist wirklich Evangelium, frohmachende Botschaft:
Gott hat seinen Sohn in die Welt gesandt, als Erlöser und Retter, nicht als strenger Richter.

Das ist die Botschaft des heutigen Evangeliums. Eine wirklich gute, eine frohmachende Botschaft.

Und trotzdem bin ich hin- und hergerissen.

Sicher, Gott richtet nicht!
Das ist das eine.
Aber er hat es offenbar auch gar nicht notwendig zu richten, denn das tun ja - nach dem gleichen Evangelium - wir selber.
Und das ist das andere.
Denn wenn er sagt: "Wer nicht glaubt, der ist schon gerichtet", dann verschiebt das ja nur den Akzent
es ändert aber letztlich nichts am Ergebnis.

Schön, er richtet mich nicht.
Aber ich richte mich dann ja selbst!

So großartig die Botschaft ist, dass ich vor Gott keine Angst haben muss,
so befreiend das auf der einen Seite wirkt,
so sehr beginne ich mich dann auf der anderen Seite vor mir selber zu fürchten.

Denn was ist, wenn ich mich nicht an ihn halte, was, wenn ich die falsche Entscheidung treffe.

"Leben und Tod lege ich dir vor, Segen und Fluch." sagt Gott, "Wähle also das Leben!“

Was aber, wenn ich es nicht tue?

Die Bibel macht mir klar,
dass Gott nicht derjenige ist, der mit dem schwarzen Buch in der Hand hinter mir herläuft
und all meine Verfehlungen notiert, um sie dann unbarmherzig zu ahnden,
sie macht mir deutlich,
dass er viel eher wie eine Mutter ist, die voller Sorgen mahnt, ja nicht auf die heiße Herdplatte zu fassen.

Aber macht es für mich einen Unterschied, ob mich die Mutter straft oder ich nur selbst dumm gewesen bin?
Meine Hand ist dann in jedem Fall verbrannt.
Das Ergebnis ist das gleiche, ob wegen einer strafenden Mutter oder ohne sie.

Was habe ich gewonnen, wenn ich keinen strafenden Gott mehr zu fürchten habe,
aber dafür vor gnadenlosen Konsequenzen zittern muss, die dann zwar nicht Gott verursacht hat,
die ich mir aber in meiner Dummheit ganz einfach selber zuzuschreiben habe?
Ob ich vor Gott erzittere oder vor einem unbarmherzigen Schicksal, das kommt am Ende auf das gleiche heraus.

Von daher bin ich hin- und hergerissen.
Und ich bin Gott dankbar dass die Schrift trotz allem immer noch davon spricht, dass Gott der Richter bleibt.
Er bleibt der Richter, und das heißt, dass er sich die Fäden nicht aus der Hand nehmen lässt,
auch nicht von einem irgendwie gearteten Schicksal.

Das Schicksal, von dem Gott spricht,
das Unheil, das mich trifft, wenn ich mich nicht an ihn halte, das ist eben nicht wie eine Herdplatte,
die einfach glüht und mich verbrennt, wenn ich unbedacht darauf fasse;

es ist kein unweigerliches Schicksal, das weit weg von Gott sein vernichtendes Unwesen treibt.

Gott bleibt Richter.
Das macht die Bibel immer wieder deutlich.

Aber sein Richten ist eher ein Richten im Sinne von heilen, reparieren, wiederherstellen.

Und das ist frohe Botschaft.
Denn dann liegt auch das Unheil, die sogenannten Schicksalsschläge, die mich treffen,
alles, was mir widerfahren kann,
letztlich immer noch in Gottes lebender Hand.

Es ist eben nicht wie bei einer Herdplatte, die die Mutter nicht mehr beeinflussen kann,
die glüht, ob sie es will oder nicht,
und die ihr Kind verbrennt, so dass sie selbst nur noch voller Entsetzen, zuschauen kann.

Wenn ich mich von Gott abwende,
vor dem Licht in die Finsternis gehe,
dann ist es nicht er, der mein Leben dunkel macht.
Das habe ich mir dann selber zuzuschreiben.

Aber er behält die Fäden in der Hand.
Selbst wenn ich falle, falle ich nicht in ein unbarmherziges Schicksal hinein, selbst wenn ich falle, falle ich auf ihn.

"Würde ich sagen: 'Finsternis soll mich bedecken, statt Licht soll Nacht mich umgeben', auch die Finsternis wäre für dich nicht finster." So sagt dies der 139. Psalm.

Und wenn dem so ist, dann kann ich wirklich befreit und frohen Mutes meinen Weg gehen -
selbst auf die Gefahr hin, dass ich einmal stolpere,
ja selbst auf die Gefahr hin, dass ich falle.
Ich habe dann nämlich nicht irgendwelche unausweichlichen Konsequenzen zu tragen,
ich falle nicht in die Hände eines unabänderlichen Schicksals.

Ich falle trotz allem und egal wo, immer in Gottes Hand.
Und Gott liegt etwas an mir, dem Schicksal nicht.

Ein unpersönliches Schicksal, das ist etwas Unbarmherziges, es wäre immer unausweichlich.
Gott aber ist Person, er kann sich erbarmen - ein unpersönliches Schicksal nicht.

Amen

(Predigt mit Gedanken von Dr. Jörg Sieger)

 

Ihnen und Ihren Lieben einen frohen und gesegneten Sonntag

Ihr

Br. Martin Kleespies, Pfr.