Predigt 2. Sonntag im Jahreskreis

      Just married -
Ermutigung auf dem pastoralen Weg

Lesung
aus dem ersten Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Korínth.

Schwestern und Brüder!

4 Es gibt verschiedene Gnadengaben,
aber nur den einen Geist.

5 Es gibt verschiedene Dienste,
aber nur den einen Herrn.

6 Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken,
aber nur den einen Gott:
Er bewirkt alles in allen.

7 Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt,
damit sie anderen nützt.

8 Dem einen wird vom Geist die Gabe geschenkt,
Weisheit mitzuteilen,
dem anderen durch denselben Geist
die Gabe, Erkenntnis zu vermitteln,

9 einem anderen in demselben Geist Glaubenskraft,
einem anderen – immer in dem einen Geist –
die Gabe, Krankheiten zu heilen,

10 einem anderen Kräfte, Machttaten zu wirken,
einem anderen prophetisches Reden,
einem anderen die Fähigkeit, die Geister zu unterscheiden,
wieder einem anderen verschiedene Arten von Zungenrede,
einem anderen schließlich die Gabe, sie zu übersetzen.

11 Das alles bewirkt ein und derselbe Geist;
einem jeden teilt er seine besondere Gabe zu,
wie er will.

1 KOR 12, 4–11

 

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes

In jener Zeit

1 fand in Kana in Galiläa eine Hochzeit statt
und die Mutter Jesu war dabei.

2 Auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit eingeladen.

3 Als der Wein ausging,
sagte die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr.

4 Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir, Frau?
Meine Stunde ist noch nicht gekommen.

5 Seine Mutter sagte zu den Dienern:
Was er euch sagt, das tut!

6 Es standen dort sechs steinerne Wasserkrüge,
wie es der Reinigungssitte der Juden entsprach;
jeder fasste ungefähr hundert Liter.

7 Jesus sagte zu den Dienern: Füllt die Krüge mit Wasser!
Und sie füllten sie bis zum Rand.

8 Er sagte zu ihnen: Schöpft jetzt
und bringt es dem, der für das Festmahl verantwortlich ist!
Sie brachten es ihm.

9 Dieser kostete das Wasser,
das zu Wein geworden war.
Er wusste nicht, woher der Wein kam;
die Diener aber, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es.
Da ließ er den Bräutigam rufen

10 und sagte zu ihm: Jeder setzt zuerst den guten Wein vor
und erst, wenn die Gäste zu viel getrunken haben,
den weniger guten.
Du jedoch
hast den guten Wein bis jetzt aufbewahrt.

11 So tat Jesus sein erstes Zeichen,
in Kana in Galiläa,
und offenbarte seine Herrlichkeit
und seine Jünger glaubten an ihn.

JOH 2, 1–11

 

Liebe Schwestern und Brüder,

am Montag hat Bischof Peter Kohlgraf die neuen Pastoralräume bestimmt und ihre Leiter bekanntgegeben.
Der pastorale Raum „Darmstadt Südost“ wird sich von Pfungstadt über Seeheim- Jugenheim, Eberstadt, Ober-Modau, Ober- und Nieder Ramstadt bis nach Roßdorf erstrecken.
Insgesamt sind das jetzt noch 8 eigenständige Pfarreien.
Mit der Leitung dieses pastoralen Raumes wurde ich beauftragt.
Ich danke der Bistumsleitung für das in mich gesetzte Vertrauen und nehme diese Aufgabe sehr ernst und gewissenhaft an.
Ziel dieses pastoralen Raumes ist es, eine einzige, große Pfarrei zu werden.
Das ist ein spannender Prozess, ein langer Weg und ein enormes Vorhaben:
aus ehemals 8 eigenständigen Pfarreien eine zu machen.

In den kommenden Wochen und Monaten wird es also zunächst ums Kennenlernen gehen,
ums Schauen, wo Gemeinsamkeiten liegen,
wo und wie man zusammenfindet.

Ich finde es auf diesem Hintergrund sehr passend, dass heute das Evangelium von der Hochzeit zu Kana verkündet wurde.
Denn bei einer Hochzeitsfeier sollen ja auch zwei sich fremde Familien zusammenwachsen.
Sie sollen sich kennenlernen, denn sie alle werden fortan zu einer Gemeinschaft, zu einer Familie.
Und dabei finde ich es sehr gut, dass man sich als Familien nicht bei irgendwelchen langweiligen Konferenzen kennenlernt, sondern bei einem Fest.
Wenn die Stimmung gut und ausgelassen, ist, wenn man locker ist und zusammen feiert, dann gelingt das Kennenlernen ganz schnell und quasi ganz von alleine.

Vielleicht kann dies ein Impuls, eine Idee für uns und die Pfarreien sein, die sich nun auch besser kennenlernen müssen, die zusammenwachsen müssen.
Ich wünsche uns nämlich, dass wir das Zusammenwachsen nicht im Sinne von Neid und Missgunst „Uns wird was genommen… wir verlieren was!“ gestalten, sondern im Geiste der Bereicherung.
So wie bei der Hochzeit, bei der die Eltern nicht ein Kind verlieren, sondern einen Sohn oder Tochter als Schwiegersohn bzw. Schwiegertochter gewinnen.
Ja, man gewinnt ganz viel Familie dazu:
Schwager und Schwägerinnen, Onkel und Tanten, Neffen und Nichten.

Ferner wünsche ich uns, dass wir dieses Kennenlernen als Menschen gestalten, die sich gegenseitig auf den Weg gestellt sehen und sich auf ihren Lebens- und Glaubensweg gegenseitig unterstützen, mit alledem, was jeder/jede von uns geschenkt bekommen hat.
Ganz im Sinne dessen, was Paulus an die Gemeinde in Korinth schreibt:
„Es gibt ganz viele unterschiedliche Gaben.“
Paulus zählt einige auf:
von der Gabe im Glauben standhaft zu bleiben, über die Gabe zu Heilen bis hin zur Gabe in fremden Sprachen zu sprechen.“
Keine von ihnen ist besser oder schlechter, keine ist überflüssig, auf keine kann man verzichten.
Sicher brauchen wir heute wohl auch noch weitere Gaben, die Paulus gar nicht kannte;
Gaben, die eher in Richtung Medien, Administration, Verwaltung gehen.
Die Gabe vor Ort für eine Gemeinde zu sorgen, die Gabe Verknüpfungen zu schaffen, die Gabe der Offenheit für Andere und Neues, die Gebe loslassen zu können und eine neue Zukunft zu sehen.
Viele dieser Geistesgaben nehmen wir wahrscheinlich gar nicht als solche wahr.
Vieles halten wir für selbstverständlich oder unwichtig.
Aber:
Es sind Gaben, die der eine Geist und gibt.
Und dieser eine Geist kommt von unserem einen Herrn, nämlich Jesus Christus.

Damit sind wir auch wieder bei der Hochzeit zu Kana.
Denn auch dort verweist Maria die Verantwortlichen auf Jesus.
In ihrer Not, dass die Hochzeit zu einem Flopp wird, dass die Menschen enttäuscht sind, dass sich die Familien gar nicht kennenlernen können, wenden sich die Verantwortlichen an Jesus.
Und er verhindert den Flopp, er lässt das Fest weitergehen, er ermöglicht tiefergehende Begegnung, denn er wirkt sein Zeichen:
Jesus verwandelt gewöhnliches Wasser in schmackhaften Wein.
Auch das kann eine wichtige Inspiration für uns auf dem pastoralen Weg sein.

Deswegen:
gehen wir mutig den pastoralen Weg, haben wir keine Angst, die anderen Pfarreien kennenzulernen;
sehen wir es als freudiges Ereignis, wie eine Hochzeit, bei der wir nichts verlieren, sondern viele weitere Glaubensgeschwister gewinnen.
Und vor allen vertrauen wir auf Jesus und sein Wirken,
nein, noch mehr, glauben wir, dass er all das, was wir als kleine, unscheinbare Fähigkeiten mitbringen, zu Gaben des Hl. Geistes machen kann, so dass unser Vorhaben gelingt, dass der Prozess kein Flopp wird, sondern – wenn wir es alle so wollen - ein Fest des Glaubens.