19. Sonntag im Jahreskreis - Predigtgedanken

09.08.2020 - 19. Sonntag im Jahreskreis A - Predigtgedanken

Ich denke, dass sicher alle von uns sich als gläubige Menschen bezeichnen würden.
Und wir sind es gewohnt, dass wir von anderen als Gläubige bezeichnet werden.

Wir glauben schließlich,
wir sind Christen,
wir beten Woche für Woche unser Glaubensbekenntnis

Und wir glauben doch auch,
dass die Welt von Gott geschaffen wurde,
dass Jesus Christus Mensch geworden ist,
und dass er auferstanden ist,
wir sind gläubige Menschen - zumindest nach den üblichen Maßstäben.

Nur,
wenn ich das heutige Evangelium ernst nehme,
dann bin ich mir gar nicht mehr so sicher, ob unsere Maßstäbe auch die Maßstäbe Jesu sind.

Für unsere Begriffe ist Petrus ja eine der ganz großen Gestalten unseres Glaubens, ein Vorbild im Glauben!
Derjenige,
der als Erster ein richtiges Glaubensbekenntnis abgelegt hat,
der gesagt hat:
"Ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn des lebendigen Gottes!“

Das war Petrus!

Für Jesus aber, scheint das noch nicht sehr viel zu sein!

Mündliche Glaubensbekenntnisse veranlassen Jesus offenbar nicht dazu, über Petrus zu sagen:
"Ja, du bist wirklich ein gläubiger Mensch!"

Das was Jesus erwartet, den Glauben, den er sich von uns Menschen offenbar wünscht,
das scheint noch einmal etwas ganz anderes zu sein.

Das klingt erst einmal nicht ermutigend:
Wenn schon Petrus dem nicht genügen konnte, dann brauchen wir es doch gar nicht erst zu versuchen!?

So ist es aber nicht gemeint!

Der springende Punkt hier ist doch folgender:

Das, was Jesus erwartet ist nicht, dass wir den Glauben aus eigener Kraft in uns haben könnten.

Was passiert, wenn wir das versuchen,
das sehen wir an Petrus:

Wenn wir wirklich versuchen, aus eigener Glaubenskraft über das Wasser zu gehen, dann werden wir untergehen.

Es kommt darauf an, dass wir auf unseren Wegen,
egal wohin wir gehen,
die Hand Jesu nicht loslassen!

Wir sehen in diesem Evangelium zwei Bilder vor uns:

Petrus, der aus eigener Kraft über das Wasser laufen will droht zu versinken - und ruft um Hilfe.

Das folgt sofort das zweite Bild
und zeigt ihn an der Hand Jesu.

Noch ist er nicht im rettenden Boot, aber die Gefahr ist vorüber, solange er sich an Jesus hält.

Dieses Bild beschreibt ein vertrauensvolles Gehen, mitten im Sturm, auf dem Wasser
und es will sagen: die Hand Jesu trägt wirklich!

Das Wasser steht einem buchstäblich bis zum Hals,
Ängste überfallen uns
und Zweifel machen unsicher.

Wie Petrus sucht man automatisch sofort nach einer Hand, nach einem Halt.

Und in dieser Situation lädt Jesus uns ein und sagt:

"Vertrau mir, glaube mir!
Glaube mir, dass ich da bin, wenn du mich brauchst,
dass ich dich nie und nimmer im Stich lassen werde.
Hab' keine Angst,
lass' dich durch nichts verwirren,
nicht einmal durch die Dinge, die du nicht verstehst.

Glaube mir, dass ich alles in deinem Leben, so schmerzhaft es auch anfangen mag, zum Guten wenden werde!"

Auf verschiedene Weise probieren wir Menschen immer wieder, aus eigener Kraft übers Wasser zu gehen.

Die schmerzliche Realität ist aber, dass Jesus recht hat, wenn er sagt:
„Getrennt von mir könnt ihr nichts tun.“

Er ist der Weinstock, wir sind die Reben.
Letztere vertrocknen sofort, ab dem Moment, wo sie vom Weinstock abgeschnitten sind.

Viel wichtiger, als dass wir irgendetwas aus eigener Kraft vollbringen könnten ist für den Evangelisten, dass wir mit Jesus gehen,
dass wir seine Hand nicht loslassen,
um seine Nähe wissen,
gerade dann, wenn es brenzlig wird, aber auch sonst.

Schließlich sagt Jesus von sich:
Ich bin der Weg, die Wahrheit, das Leben.

Wer seinen Weg mit IHM geht, (Jesus selbst nennt das Nachfolge),
findet zur Wahrheit und damit zum Leben.

Amen