13. Sonntag im Jahreskreis - Predigtgedanken

28.06.2020 - 13. Sonntag im Jahreskreis A - Predigtgedanken

"Seine Leistungen waren stets mittelmäßig!"
solch ein Satz in einem Arbeitszeugnis - und die Jobsuche für die nächste Stelle wäre sicher nicht so einfach.

Mittelmäßig - das ist ja schon fast so etwas wie ein Schimpfwort.
Wollten Sie mittelmäßig sein?

Liebe Schwestern und Brüder,

wenn ich mich da an meine Schulzeit erinnere:
Die Note drei war damals genau in der Mitte, „befriedigend“ sollte sie ausdrücken.
Aber die allermeisten Schüler und erst recht auch die Eltern waren damit nicht zufrieden.
Zu negativ ist das Mittelmaß bei uns besetzt.

Aber das müsste nicht so sein.
Mittelmaß, das ist ja immer der Bereich zwischen zwei Extremen.
Und das ist im Grunde sogar erstrebenswert.

Denken Sie an das Wetter:
Da ist es zu heiß, da ist es zu kalt,
hier zu nass und dort zu trocken -
dazwischen nennen wir das Klima gemäßigt und genau da ist alles im grünen Bereich, im wahrsten Sinn des Wortes.

Dieser grüne Bereich, der Mittelweg zwischen den Extremen wird von der Bibel immer wieder empfohlen.

Extreme sind zu vermeiden.

In der Lesung von heute wird eine Frau aus Schunem gelobt, die Frau, die Elischa aufgenommen hat.
Ihre großzügige Haltung dem Propheten gegenüber wird den Menschen vor Augen gestellt -
Nicht etwa, dass sie das Geld mit beiden Händen zum Fenster hinausgeworfen hätte,
denn das würde die Bibel genauso ablehnen wie den Geiz auf der anderen Seite.

Die Mitte zwischen den Extremen zu wahren, das ist der Weg, den die Bibel den Menschen vor Augen stellt.

Deshalb meint Jesus mit Leben verlieren, ganz sicher nicht, dass man sein Leben wegwerfen solle.

Ganz im Gegenteil: Es geht ja darum, wie Leben gelingen kann.

Kinder zu vernachlässigen, sich nicht ausreichend um sie zu kümmern, das wäre verantwortungslos.
Dass man seine Kinder nicht von ganzem Herzen lieben solle, das will Jesus uns ganz sicher nicht sagen.
Aber Kinder über alle Maße zu lieben und sie mit seiner Liebe zu erdrücken,
so dass sie sich nicht gesund entwickeln können ,
das wäre als anderes Extrem letztlich genauso schädlich.

Ich denke, dass Jesus mit den rätselhaften Sätzen aus dem heutigen Evangelium genau in diese Richtung zeigt.

Es geht ihm nicht darum, Eltern gering zu achten,
Kinder nicht zu lieben
oder sich um das Leben hier auf der Erde nicht zu mühen.

Um das rechte Maß geht es.
Denn alle Extreme sind letztlich von Übel.
So können Sie eigentlich alle Bereiche des Lebens durchspielen.

Jemand, der sich nicht um seinen Beruf kümmert,
der keinen Einsatz bringt und nur das Nötigste tut, der darf sich nicht wundern, wenn er es zu nichts bringt.
Wer aber nur die Arbeit kennt und sich keine Pausen gönnt,
wer nur noch an Karriere und Erfolg arbeitet,
der wird über kurz oder lang wahrscheinlich auch scheitern.

Jetzt in den Tagen von Corona müssen wir alle auf Gesundheitsschutz achten und uns an viele ungewohnte Regeln halten.
Wer es aber übertreibt und aus lauter Angst gar nicht mehr aus dem Haus geht,
der tut sich ebensowenig einen Gefallen wie diejenigen, die Partys feiern ohne Rücksicht auf Verluste.

Das eine tun und das andere nicht lassen,
das Gleichgewicht zu halten,
eigentlich:
mittelmäßig zu sein, das ist der Rat Jesu zum heutigen Sonntag.

Vielleicht ist das auch der Grund dafür, warum seine Apostel recht durchschnittliche Gestalten waren -
alles andere als Helden:
Ein Christenverfolger,
der mitschuldig war an der Hinrichtung des Stephanus,
und einer, der Christus gleich drei Mal verleugnet hat, um seine eigene Haut zu retten.

Wie die meisten durchschnittlichen Menschen ihrer Zeit konnte kaum einer von ihnen lesen oder schreiben.

In den Augen unserer nach Erfolg und Spitzenpositionen schielenden Gesellschaft wären sie keine geeigneten Führungskräfte.

Offensichtlich waren sie aber ganz nach Jesu Geschmack, Menschen, wie du und ich eben -
Menschen, die das Mittelmaß darstellen,
das, was das Alte Testament in seiner unnachahmlich konkreten und bodenständigen Art
uns allen immer wieder mit auf den Weg gibt.

Kohelet etwa bringt es so auf den Punkt:

"Halte dich nicht zu streng an das Gesetz und sei nicht maßlos im Erwerb von Wissen!
Warum solltest du dich selbst ruinieren?

Entfern dich nicht zu weit vom Gesetz und verharre nicht im Unwissen: Warum solltest du vor der Zeit sterben?
Es ist am besten, wenn du an dem einen festhältst, aber auch das andere nicht loslässt.

Wer Gott fürchtet, wird sich in jedem Fall richtig verhalten."

Amen.

(Predigt mit Gedanken von Jörg Sieger)

Allen, die wegen Corona zu Hause geblieben sind grüße ich sehr herzlich und danke Ihnen für die Verbundenheit,

Ihr

Br. Martin Kleespies, Pfr.