15. Sonntag im Jahreskreis - Predigtgedanken

12.07.2020 - 15. Sonntag im Jahreskreis A - Predigtgedanken

Ich bin kein großer Gärtner

Aber durch unsere Grünanlagen in der Pfarrei bekomme ich mit, wie viel Mühe und Arbeit es kostet, dass hier alles wächst.

Und ich möchte an dieser Stelle auch mal erwähnen, dass ich sehr froh bin, dass Frau Haas und hier in Jugenheim das Greenteam diese Aufgabe übernommen haben.

Wenn es heute im Evangelium darum geht, was alles erfüllt sein muss, damit etwas wächst und gedeiht,
dann muss ich allerdings unwillkürlich auch daran denken,
wieviel Zeit und mühe es kostet zu verhindern, dass etwas wächst und gedeiht - dort nämlich, wo es nicht wachsen soll.

Zum Beispiel hier in diesem Hof zwischen den Gehwegplatten.

Unsere Freiwilligen kämpfen da einen ständigen Kampf.

Meistens wird das Grün mühsehlig zwischen den Fugen herausgekratzt.. Wenn man das regelmäßig machen würde,
so sollte man meinen,
dann müssten die Pflanzen doch allmählich absterben.

Von wegen absterben!
Nach wenigen Tagen sieht man schon wieder Gras und Klee.

Und wenn längere Zeit niemand etwas tut,
haben sich meist wieder kniehohe Pflanzen des Pflasters bemächtigt.

Von wegen:
Die Saat verdorrte auf steinigem Grund, weil sie keine Wurzeln hatte.

Der Evangelist kannte offenbar unseren Hof nicht!
Egal wie wenig es regnet, das Gras ist längst braun.
Aber da, zwischen den Gehwegplatten, da verdorrt nichts, da ist das Kraut einfach nicht auszurotten.

Liebe Schwestern und Brüder,

natürlich ist mir klar, was das Gleichnis des Evangeliums letztlich sagen will.

Natürlich hat es die gute Saat des Evangeliums mancherorts leichter und andernorts schwerer, wirklich aufzugehen.

Selbstverständlich gibt es Boden, der geeigneter ist
und Umstände, die prächtige Vegetation geradezu garantieren.

Und es gibt Gegenden, die einfach Wüste sind, die einfach nur tot erscheinen.

Aber auch die Wüste lebt.
Genau wie unser Pfarrhof hier.
Und der ist damit für mich auch so etwas wie ein Gleichnis.

Ohne dieses Gleichnis macht mir das heutige Evangelium nämlich Angst.

So kann es doch nicht gemeint sein, wie es auf den ersten Blick klingt:
dass Gott seinen Samen ausstreut,
manche kapieren es,
manche nehmen sein Wort auf und die anderen haben dann eben verloren.
Aus ganz verschiedenen Gründe, aber sie haben jedenfalls nichts von der guten Botschaft.
So kann ich das nicht glauben.

Da möchte ich das Bild des Hofes am BCH auf jeden Fall dazu legen.

Dieses Bild nämlich sagt uns, dass letztlich kein Same, den Gott ausstreut, auf Dauer verloren bleibt.

Mag sein, dass er ganz anders aufgeht, als wir uns das vorstellen oder wünschen.
Wer von einem englischen Rasen träumt, wird von einer Blumenwiese möglicherweise enttäuscht sein.

Aber kommt es denn darauf an, was wir uns vorstellen?

Ich möchte darauf vertrauen, dass das, was Gott erwartet, auch wirklich geschieht,
dass das, was er sät, nicht verloren geht.

Da mögen noch so viele Unkrautjäter drüber gehen,
da mögen noch so widrige Umstände herrschen - Gott und seine Setzlinge werden sich durchsetzen!

Darauf vertraue ich.
Wenn Gott das will, wächst es auch unter den Dornen und auf steinigem Boden!

Das ist auch ein Trost für all diejenigen, die sich um dieses ausgestreute Wort Gottes mühen:
die Lehrerinnen und Lehrer,
alle in der Pastoral Tätigen und vor allem die Eltern.

Denn wer kennt diese Probleme nicht?
Enttäuscht werden wir nur sein, wenn wir uns feste Vorstellungen gemacht haben,
wenn wir uns ein Bild davon machen, was am Ende für eine Pflanze entstehen soll.

Wer von der strammen Katholikin träumt, der wird schon fast verzweifeln, wenn die Tochter kaum noch zur Kirche geht,
sich aber mit allem Einsatz bei Amnesty für Menschenrechte engagiert.

Enttäuscht wird nur, wer sich ganz feste Vorstellungen macht.

Aber was für eine Ahnung haben wir denn letztlich davon, welche Pflanze sich Gott in den Kopf gesetzt hat.
Nur darauf aber kommt es an!
Er ist der Sämann.
Wir können das Wachsen nur begleiten.

Und maßen wir uns nicht an, entscheiden zu wollen, was bei Gott Nutzpflanze und was Unkraut zu sein hat.

Das wird am Ende nur einer ganz allein entscheiden -
das ist nicht unsere Aufgabe!

Eines glaube ich zu wissen:
Dass alles, was Gott in seinem Garten haben will, eines Tages ganz sicher blühen wird.

Amen