Predigtgedanken zu Neujahr 2021

Liebe Schwestern und Brüder,

im vergangenen Jahr war alles anders als gewohnt.

Das ist inzwischen so eine Binsenwahrheit,
ich traue mich kaum, es schon wieder zu sagen.

Und ich muss es auch nicht erklären, weil jeder von uns genau weiß, wie Corona unseren Alltag durcheinandergewirbelt hat.

Bei jedem auf seine Weise,
aber vom Kindergarten bis ins Seniorenheim:
dieses Jahr war tatsächlich für alle komplett anders als gewohnt.

Was Corona angeht, so haben wir jetzt mit dem neuen Impfstoff die berechtigte Hoffnung,
dass nach und nach alle Einschränkungen zurückgenommen werden können,
weil die Gefahr allmählich verschwindet.

Was das angeht, so können wir denke ich sehr optimistisch in das Neue Jahr schauen.
Es besteht die Hoffnung,
dass wir zu einem großen Teil unseren Alltag von vor der Pandemie wiederbekommen.
Nicht von Heute auf Morgen, aber so nach und nach auf alle Fälle.

Schauen wir jedoch nicht auf Corona,
sondern auf unsere Gemeinde
unsere Kirche und unser Glaubensleben,
so fürchte ich,
dass uns im nächsten und in den kommenden Jahren Umwälzungen bevorstehen,
die ähnlich durchgreifend sind wie Corona.

Angekündigt hat es sich ja schon seit Jahren.

Wir müssen nur die Statistik am Jahresende lesen,
die zeigt es von Jahr zu Jahr deutlicher:

XX Taufen stehen XX Beerdigungen gegenüber.

Das könnte man vielleicht noch abtun als Zeichen für eine alternde und schrumpfende Gesellschaft.

Aber wir haben dazu ja auch noch XX Kirchenaustritte zu verzeichnen.

Seit Jahren ist diese Zahl auf hohem Niveau, Tendenz steigend.

So hat seit Jahrzehnten unsere Kirche, ebenso wie die evangelische, ein hohes jährliches Negativsaldo bei den Mitgliederzahlen.

Die Zahl der Berufungen ins Priesteramt und auch in die anderen pastoralen Berufe sinkt ebenfalls ständig,
genauso wie die Zahl der Gottesdienstbesucher.

Da war es längst überfällig so etwas zu starten, wie es unser Bischof im (vor)-letzten Jahr gestartet hat:
Einen „Pastoralen Weg“ - eine komplette Umstrukturierung unseres ganzen Bistums.

Die vorhanden Strukturen müssen eben an die Möglichkeiten angepasst werden, die wir noch haben.

Gegenwärtig bedeutet das dass aus sechs Pfarreien etwa eine neue geschaffen wird.

Warum hat man das Ganze dann aber nicht einfach „Strukturreform“ genannt?

Warum so ein unklarer Begriff wie „pastoraler Weg“?

Ganz einfach:
Um deutlich zu machen, dass es um mehr gehen muss als einfach nur eine Bündelung zu kleinteilig gewordener Strukturen.

Das ganze soll auch ein geistlicher Prozess sein,
im äusseren Wandel sozusagen
uns auch innerlich verändern,
unser Glaubensleben mitnehmen in die neue Struktur.

Gott hat uns unseren Verstand gegeben,
damit wir vernünftig den Herausforderungen der Gegenwart begegnen.

Manch lieb gewordene Gewohnheit werden wir aufgeben müssen,
insgesamt aktiver werden,
flexibler werden,
wenn wir wollen dass unsere Pfarrgemeinde lebendig bleibt.!

Wir haben Gott sei Dank auch heute schon Menschen in der Gemeinde,
die vieles bewegen und tragen,
die ehrenamtlich dafür sorgen, dass viel mehr möglich ist,
als wir paar wenige hauptamtliche jemals schaffen könnten.

Aber es sind noch zu wenige.

Sehr viel mehr Christinnen und Christen werden lernen müssen,
dass es nicht nur Mühe macht,
sondern auch Freude,
die Angelegenheiten unserer Gemeinde selbst in die Hand zu nehmen.

Darum kommen Sie nicht herum.

Die wichtigste Frage aber,
die wir uns vor allen anderen jeden Tag neu stellen müssen
das ist die Frage nach Jesus von Nazareth, an dessen Krippe wir uns auch heute Abend wieder versammelt haben.

Wer ist Er?
Wer ist Er für uns?
Wer ist Er für mich?
Was war das, was Er vor 2000 Jahren unter uns Menschen gewirkt hat,
welches waren wirklich Seine Anliegen,
was können wir über Seine Absicht erfahren und was heißt das heute für uns?
Wie müssen wir sein,
wie müssen wir uns organisieren,
wie sollen wir tun, um dabei wirklich IHM zu folgen?

Denn wenn wir bereit sind uns auf diesen Weg einzulassen,
um Wege zu finden, auch heute noch Gemeinschaft zu sein,
mit Christus in unserer Mitte,

dann bin ich zuversichtlich, dass wir sowohl als Gemeinde,
wie auch jeder Einzelne für sich

Antworten und Lösungen finden können,
die uns in eine lebendige, bunte und geistgewirkte Zukunft tragen.

Amen.